Besuch beim Martinsladen in Erlenbach

Im Erlenbacher Martinsladen habe ich mir im Mai 2016 einen Eindruck von der beachtlichen ehrenamtlichen Arbeit der Helferinnen und Helfer verschafft. Der Laden meistert zurzeit große Herausforderungen, denn neben sozial schwachen Einheimischen zählen seit kurzem auch zahlreiche Flüchtlinge zum Kundenstamm.

Einmal pro Woche – dienstags von 13.30 bis 16.30 Uhr – ist der Laden geöffnet. In dieser kurzen Zeit kamen früher rund 100 Kunden, seit kurzem sind es bis zu 150. Eine große Herausforderung für die wöchentlich rund 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die aber weiter ihr Ziel erreichen: Jeder, der Hilfe braucht, erhält diese auch.

Das Credo des Martinsladens ist einfach, wie die Helferinnen Renate Kirchgäßner und Monika Trützler erklären: „Jeder sozial Schwache, unabhängig von seiner Herkunft oder Abstammung, bekommt hier Hilfe.“ Das sieht so aus, dass die Caritas zunächst allen Berechtigten Ausweise ausstellt, mit denen die Menschen im Martinsladen einmal pro Woche günstig einkaufen können.

Im Laden in der Erlenbacher Hauptstraße 58 finden sie ein begrenztes Warensortiment, dessen Waren von Geschäften und Bäckereien aus dem nördlichen Teil des Landkreises gespendet werden. Die Waren, die teilweise kurz vor dem Ablaufdatum stehen oder – wie Obst oder Gemüse – teilweise nicht mehr ganz frisch sind, werden mittels eines Punktesystems verkauft. Jede Ware ist mit einem oder mehreren Punkten ausgezeichnet. So kann beispielsweise eine vierköpfige Familie Waren für zehn Punkte – das entspricht einem Einkaufswert von zwei Euro – erwerben. Einen Teil der Waren wie Milch, Zucker und Nudeln kaufen die Helfer auch aus Spendenmitteln ein.

„Ohne die staatlichen Hilfssysteme aus ihrer Verantwortung entlassen zu wollen, möchten wir Lebensmittel vor der Vernichtung bewahren und sie für Alleinerziehende, Arbeitslose, bedürftige Familien, Obdachlose und andere finanziell Benachteiligte anbieten“, heißt es in der Broschüre des Martinsladens. Die Caritas unterstützt den Laden durch die Übernahme der Miete und organisatorische Hilfe, erklärte Susanne König (Caritas) dem Landrat.

Damit der Laden – ein Projekt der Caritas Sozialstation St. Johannes in Kooperation mit WIKA, Lions-Club Main-Spessart Obernburg und der Sparkasse Miltenberg-Obernburg – den Andrang stemmen kann, haben sich die Helferinnen und Helfer ein Nummernsystem überlegt. Jeder Kunde darf aus einer Trommel eine Nummer ziehen, die ihm sagt, wann er an der Reihe ist. So kommt Ordnung in den Andrang. Die Kunden kommen nach Beobachtungen der Helferinnen und Helfer aus dem gesamten Altlandkreis Obernburg und viele von ihnen müssen erst lernen, wie der Martinsladen funktioniert. Auch müssen die Helferinnen manchmal helfen, weil Menschen die deutschen Aufschriften auf Lebensmitteln nicht lesen können. Bei Übersetzungsproblemen hilft beispielsweise der Verein Frauen für Frauen.

Landrat Jens Marco Scherf zeigte sich beeindruckt vom Warenangebot, aber auch vom großen ehrenamtlichen Engagement der Menschen im Landkreis Miltenberg für das soziale Miteinander. „Der Martinsladen ist eine gute Ergänzung des sozialen Angebots, um Menschen zu helfen“, fand er. Dass die Helferinnen auch Unterstützung aus Reihen der Leistungsbezieher haben, freute den Landrat ebenfalls: „Das trägt zur Teilhabe bei.“ Hilfe erfahren die Helfer und Helferinnen des Martinsladen auch von den jungen Flüchtlingen: „Die lernen sehr schnell Deutsch und helfen bei Übersetzungen“, hat Renate Kirchgäßner beobachtet. Außerdem hat sich der Laden zum sozialen Treffpunkt entwickelt, wo sich die Besucherinnen und Besucher auf ein Schwätzchen treffen, während sie warten.

Der Erlenbacher Martinsladen arbeitet laut Susanne König auch mit dem Miltenberger Martinsladen zusammen, der jeweils donnerstags geöffnet hat. Beide Martinsläden sind dankbar für weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, auch Sponsoren sind jederzeit willkommen. Interessenten wenden sich an Tanja Gast, Sozialstation St. Johannes in Erlenbach, Telefon 09372/10960. Weitere Informationen zu den Martinsläden sind im Internet unter www.sozialstation-erlenbach.de abrufbar.

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